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Selbstsicherheit muss wachsen - Schritt für Schritt

Selbstsicherheit ist kein angeborener Zustand- sie entsteht in einem reifen Nervensystem, in deinem getragenen und gehaltenen Körper durch sichere Bindungserfahrungen. Genau deshalb ist es so wichtig zu verstehen: Selbstsicherheit ist das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses; es ist nicht einfach "da" oder gehört zu einem Persönlichkeitsmerkmal.

Kinder entwickeln Selbstsicherheit, wenn sie sich körperlich und emotional sicher fühlen. Erwachsene übrigens auch. Wir können durch neue Erfahrungen in Beziehungen und durch ein körperliches Loslassen, das sich entspannt anfühlt, weich, offen und stark zugleich, ein selbstsicheres Auftreten erleben. Was die Selbstsicherheit mit frühkindlichen Reflexen, Stressschutzreflexen und Bonding zu tun hat, darum geht es in diesem Blog- Beitrag. Es ist mir eine Freude, dir hier mehr über frühkindliche Entwicklung berichten zu können. Denn eins ist sicher: Du kannst viel mehr beeinflussen, als du denkst...

Die frühkindliche Entwicklung ist ein hochkomplexer und sensibler Prozess, der das Fundament für unsere spätere körperliche, emotionale und soziale Stabilität bildet. 

1. Frühkindliche Reflexe - die ersten Bewegungsmuster

Frühkindliche Reflexe sind automatische Bewegungsmuster, die bereits im Mutterleib entstehen und das Überleben des Neugebeorenen sichern. Sie sind neurologisch verankert und treten ohne bewusstes Zutun auf. Ich möchte hier einige nennen, die vielleicht auch zu den bekanntesten gehören:

  • Moro- Reflex ( Schreckreflex) - bewirkt ggf. Ängstlichkeit, Unsicherheit, Aggressionen etc.
  • Such- und Saugreflex - ggf. Artikulationsprobleme und Zahnfehlstellungen, vermehrtes Sabbern oder Verschlucken
  • Greifreflex - wichtig für die Entwicklung der Handmotorik, ggf. grob- und feinmotorische Auffälligkeiten
  • Asymmetrisch- tonischer Nackenreflex (ATNR) - fehlende Seitendominanz, Unkoordination der Arm- und Beinbewegungen
  • Symmetrisch- tonischer Nackenreflex (STNR) - schlechte Körperhaltung, Sehschwäche, mangelnde Körperkoordination
  • Tonischer Labyrinthreflex (TLR) - verursacht u.U. Orientierungs-/ Gleichgewichtsprobleme, Probleme mit dem Muskeltonus

Diese Reflexe erfüllen in der frühen Entwicklung wichtige Funktionen, etwa die Nahrungssuche, den Schutz vor Gefahr oder den Aufbau der Muskulatur. Normalerweise verschwinden sie im Laufe der ersten 1- 3 Lebensjahre, wenn das zentrale Nervensystem ausreift und das Kind zunehmend willentliche Bewegungen ausführt.

Persistierende Reflexe- was passiert, wenn sie bleiben?

Wenn frühkindliche Reflexe nicht integriert werden, also über das erste Lebensjahr hinaus aktiv bleiben, kann das weitreichende Auswirkungen haben:

  • motorische Schwierigkeiten, z.B. Ungeschicklichkeit, Koordinationsprobleme
  • Konzentrationsprobleme und Schulschwierigkeiten
  • emotionale Instabilität, Ängste oder Überempfindlichkeit
  • Probleme in der Körperspannung und -haltung

 

2. Der Stresschutzreflex - ein evolutionäres Schutzsystem

Der sog. Stressschutzreflex, auch als Furcht- Lähmungs- Reflex (FLR) bekannt, ist eine der frühesten Reaktionen des Nervensystems auf bedrohliche Reize. Er entsteht bereits pränatal und bewirkt eine Erstarrung oder Zurückziehung des Körpers als Schutzmaßnahme auf ein erhöhtes Stressniveau der Mutter.

Während dieser Reflex im Mutterleib und bei der Geburt hilfreich ist, kann ein nicht integrierter Stressschutzreflex später zur chronischen Anspanung, Schreckhaftigkeit oder sozialen Rückzugsneigung führen. Ein ständig aktivierter Stressmodus verhindert die gesunde emotionale Entwicklung und hemmt die Fähigkeit zur Selbstregulation. Ein dauerhaft überaktives Stresssystem beeinträchtigt den Aufbau von Selbstsicherheit. Der Mensch bleibt in einem Zustand innerer Unsicherheit sowie Unsicherheit in der Umweltwahrnehmung. Dadurch wird auch die Selbstwirksamkeit, also das Empfinden, das eigene Leben aktiv gestalten zu können, eingeschränkt.

Die Integration des Stressschutzreflexes, einschließlich des Moro- Reflexes, der auf Lageveränderung, Licht, Geräusche und Berührung aktiviert wird, ist daher ein wesentlicher Bestandteil emotionaler Heilung und Neuorientierung.

 

3. Bonding - Die erste emotionale Beziehung

Bonding bezeichnet die emotionale Verbindung zwischen Eltern, insbesondere der Mutter, und dem Neugeborenen, die idealerweise unmittelbar nach der Geburt beginnt. Selbst in der Schwangerschaft ist durch ein liebevolles Hinspüren und Berühren des Bauches eine erste innige Kontaktaufnahme möglich, um Sicherheit zu erlernen. Diese sichere Verbindung zwischen Mutter und Kind ist nicht nur für das seelische Wohlbefinden essenziell, sondern auch für die Regulation des Nervensystems. Viel Wissenswertes liest du bei Prof. K.H. Brisch: Bonding - eine sichere Bindung.

Warum Bonding so wichtig ist:

  • Es aktiviert das parasympathische Nervensystem und sorgt für Entspannung und Sicherheit.
  • Es unterstützt die Integration von frühkindlichen Reflexen durch sanfte Berührung, Blickkontakt und emotionale Nähe
  • Es fördert die Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten "Kuschelhormon", das Vertrauen und Bindung stärkt.
  • Es legt den Grundstein für Beziehungsfähigkeit und Selbstwertgefühl

Kinder, die sichere Bindungserfahrungen machen durften, entwicklen ein Urvertrauen - eine Grundhaltung, dass die Welt ein sicherer Ort ist und sie in ihr willkommen sind.

 

4. Der persönliche Aufrichtungsprozess - von der Körperhaltung zur Selbsthaltung

"Aufrichtung" kann sowohl körperlich als auch psychisch verstanden werden. Im physischen Sinn beschreibt sie den Prozess, in dem ein Kind sich aus der liegenden Position zum Sitzen, Stehen und schließlich zum freien Gehen aufrichtet. Im übertragenen Sinne bedeutet Aufrichtung aber auch sich innerlich stabilisieren, sich positionieren und behaupten, Selbstbewusstsein entwickeln und sich selbst spüren und ausdrücken zu können.

Diese Aufrichtung ist nur möglich, wenn die frühkindlichen Reflexe integriert, das Stresssystem reguliert und sichere emotionale Bindungen erlebt wurden. Fehlen diese Bausteine, wirkt der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes "gehemmt", "gebeugt" oder "unsicher".

Frühkindliche Erfahrungen prägen 

Frühkindliche Reflexe, der Stressschutzreflex und das Bonding sind mehr als biologische oder psychologische Phänomene - sie sind die Grundpfeiler unserer Identität. Wenn sie in ihrer natürlichen Entwicklung gestört sind, zeigen sich oft Auffälligkeiten in der Körperhaltung, im Verhalten oder im Selbstwert..

Doch jeder Mensch hat die Möglichkeit, nachzureifen, sich innerlich aufzurichten und Selbstsicherheit zu entwicklen. Und das in jedem Alter!

Der Weg dorthin führt über das Verständnis der eigenen Frühprägung, über Bewegung, Körperbewusstsein und das (Wieder-)Erleben von Sicherheit in Bindung. Echte Aufrichtung beginnt im Inneren - und sie zeigt sich im Außen!

"Mit einer sicheren Bindung werden die Eltern große Freude an ihrem Kind haben, weil sicher gebundene Kinder eine bessere Sprachentwicklung haben, flexibler und ausdauernder Aufgaben lösen, sich in die Gefühlswelt von anderen Kindern besser hineinversetzen können, mehr Freundschaften schließen und in ihren Beziehungen voraussichtlich glücklichere Menschen sein werden." (K.H. Brisch)

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